Nach dem Vorbereitungskongress in Brüssel/ Brügge im April 2003 und dem
Gründungskongress in Stockholm im November 2003 hat der Council for European
Urbanism (CEU) im September 2005 seinen ersten Internationalen Kongress in
Berlin durchgeführt. Schirmherr des Kongresses war Dr. Manfred Stolpe,
Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Unterstützt wurde der
Kongress durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. Sponsoren und
Partner waren:
Unterstützt wurde der Kongress durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Berlin. Sponsoren und Partner waren: Die Bahn DB, DIFA Deutsche Immobilien Fonds
AG, Groth Gruppe, DEGEWO, Stadt und Land sowie die Fundus-Gruppe.
Zahlreiche Redner aus Berlin, aus Europa und aus anderen Ländern haben neue
Perspektiven des Städtebaus aufgezeigt - darunter der britische
Städtebauminister und stellvertretende Premierminister John Prescott und der
deutsche Minister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Dr. Manfred Stolpe. Die
260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertraten ein breites Spektrum aus Politik,
Wirtschaft, städtischen Initiativen und der städtebaulichen Fachwelt. Sie kamen
aus 19 Ländern - nicht nur aus Europa, sondern auch aus Israel, den USA, aus
Kanada, Kuba und Guatemala.
Der erste Kongresstag thematisierte Berlin - ein Erfolgsmodell des europäischen
Städtebaus. Trotz mehrfacher erheblicher Zerstörungen ist Berlin immer wieder
auf die Beine gekommen. Selbst Jahrzehnte der Spaltung haben diese Stadt nicht
gebrochen. Und trotz aller Schwierigkeiten ist der Prozess der städtebaulichen
Wiedervereinigung als Erfolg zu werten – gerade angesichts der Tatsache, dass
niemand auf dieses historische Ereignis vorbereitet war. Es war völlig richtig,
zunächst den Schwerpunkt auf die Herausbildung eines erneuerten Zentrums zu
legen – als Zeichen für die Überwindung der Spaltung nach Innen und Außen.
Jenseits des Zentrums hat die Modernisierung der Mietskasernenviertel im
ehemaligen Ost-Berlin große Fortschritte gemacht, und selbst die Groß-Siedlungen
in Plattenbauweise sind kaum mehr wieder zu erkennen. Dazu kam die Erneuerung
der stadttechnischen Infrastruktur, insbesondere der Verkehrsinfrastruktur. Auch
der Zersiedelung wurden erste Grenzen gesetzt. Allerdings kann es sich Berlin
nicht leisten, auf seinen Erfolgen auszuruhen. Haushaltskrise, Arbeitslosigkeit
und soziale Ausgrenzung sind eine große Herausforderung. Berlin muss seine
Position im Konzert der europäischen Städte nach dem Fall der Mauer erst noch
finden.
Der zweite Kongresstag richtete den Blick auf Europa und Übersee. Die
Europäische Stadt ist ein städtebauliches, wirtschaftliches, soziales und
politisches Erfolgsmodell. Sie hat es immer wieder vermocht, ihre Traditionen
mit Innovationen zu verbinden – wenn auch oft unter schweren Verlusten und
Mühen. Die Europäische Stadt hat als politisches und emanzipatorisches
Gemeinwesen weltweit Maßstäbe gesetzt. Sie hat eine Lebensweise geprägt, die
heute als Markenzeichen für Urbanität schlechthin gilt. Sie hat eine
städtebauliche Form gefunden, die äußerst flexibel und daher zukunftsfähig ist.
Kurz: Die Europäische Stadt ist zu einem Symbol von Stadt geworden. Allerdings
hat sie auch nur allzu oft ihr Zentrum geschwächt, ihre Innenstadt
vernachlässigt und zersiedelte Peripherien hervorgebracht, die uns vor neue
Herausforderungen in politischer, sozialer, ökologischer und gestalterischer
Hinsicht stellen. Vertreter aus verschiedenen Großstädten präsentierten Beiträge
zur Fortsetzung der Erfolgsgeschichte „Europäische Stadt“. Vor allem in
Großbritannien finden wir die weitreichendsten und diskussionswürdigsten
Strategien, Reformbewegungen und praktischen Resultate des neuen Städtebaus in
Europa.
Zum Ende des Kongresses wurde folgende „Erklärung von Berlin“ veröffentlicht:
Deindustrialisierung, Zersiedelung, Zunahme des Individualverkehrs, soziale
Polarisierung, Alterung, Energiekrise und eine schrumpfende Bevölkerung stellen
die Europäische Stadt vor gewaltige städtebauliche Herausforderungen. Politiker,
Investoren, Fachleute und Bürgerinitiativen in verschiedenen Teilen Europas und
Nordamerikas haben längst auf den stürmischen gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Wandel in der „globalisierten Welt“ reagiert – mit
unterschiedlichem Erfolg. Was zu wünschen übrig lässt, sind die Verarbeitung
dieser unterschiedlichen Erfahrungen, die Offenheit für andere Sichtweisen, der
Austausch von Beispielen für Best Practice, ja letztlich die Debatte um die
grundlegende Frage:
Welche Stadt wollen wir?
Eine einfache wie schwierige Frage, die längst keine akademische mehr ist,
sondern den Alltag in Städten und Gemeinden prägt. Sie schließt insbesondere
auch die Fragen des zukünftigen Umgangs mit der technischen und sozialen
Infrastruktur, mit der industriellen Arbeit und mit der Energieversorgung ein.
Wir wissen: Der Städtebau in Europa sollte der Zersiedelung der Landschaft, der
Entwertung von städtischen Gebieten und der sozialen, wirtschaftlichen wie
kulturellen Erosion der Stadt entgegenwirken. Er sollte die stadtgestalterische
Qualität verbessern, die lokale Identität fördern, soziale Kluften mildern und
Ressourcen schonen. CEU tritt dafür ein, dass diese Ziele zum Allgemeingut
werden. Es gilt aber auch, einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen
Ressourcen zu fördern: Die Europäische Stadt muss sich z. B. aus der
Abhängigkeit vom Öl befreien. Städtebau ist ein Schlüssel für die Gestaltung
unseres zukünftigen Alltags, unserer Wirtschaft, unserer Kultur, unserer
Gesellschaft. Der Europäische Städtebau der Zukunft ist somit kein Feld für
Spezialisten allein, er betrifft alle und ruft nach einer Vielzahl von Akteuren.
Die grundlegenden Veränderungen erfordern in mehrfacher Hinsicht daher ein
Brücken-Bauen. Es geht um das Bauen von Brücken
• zwischen den Städten Europas,
• zwischen den Akteuren des Städtebaus,
• innerhalb der planerischen und architektonischen Profession,
• zwischen Institutionen und Netzwerken des Städtebaus und
• zwischen Europa und den USA.
Ein solches Brücken-Bauen fördert eine neue Handlungsfähigkeit im
Europäischen Städtebau.
1. Brücke zwischen den Städten Europas
Politisch ist der Einigungsprozess Europas jüngst in eine Krise geraten. Es hat
sich gezeigt, dass für viele Bürger Europas die europäischen Institutionen weit
weg sind. Europa ist aber mehr als der Verwaltungsapparat in Brüssel. Europas
Stärke ist die kulturelle Vielfalt, der Reichtum an Städten und
Kulturlandschaften. Städte und Landschaften stehen in Wettbewerb zueinander,
bedürfen aber zugleich der Kooperation, auch um weltweit konkurrieren zu können.
In diesem Kontext ist der Austausch über Erfahrungen mit dem Umbau der
europäischen Städte von herausragender Bedeutung. Dieser Austausch ist aber
wenig entwickelt. Der CEU versteht sich als ein Medium der Intensivierung des
europäischen Austauschs im Feld des Städtebaus.
2. Brücke zwischen den Akteuren des Städtebaus
Der gesellschaftliche Diskurs über Themen des Städtebaus ist noch sehr verinselt.
Die einzelnen Akteure haben ihre eigene Sprache, ihre eigenen Propheten, ihre
eigenen Leitbilder. Der Austausch über die Grenzen der Akteursgruppen ist
unterentwickelt. Der CEU versteht sich als Medium des Austauschs zwischen den
unterschiedlichen Akteuren, des Dialogs zwischen Politik, Verwaltung,
Wirtschaft, Gesellschaft und Fachwelt, zwischen praktischen Planern,
Architekten, Landschaftsarchitekten, Wissenschaftlern unterschiedlicher
Fachrichtung, Investoren und Bürgergruppen.
3. Brücke innerhalb der architektonischen und planerischen Profession
Die planerisch-architektonische Fachwelt ist in viele Lager gespalten, die sich
gegenseitig bekämpfen und oft unsachlich diskriminieren. Gerade mit Blick auf
den Städtebau sind solche Lager wenig hilfreich. Das betrifft zuallererst die
Frage des architektonischen Stils: Weder moderne Architektur noch traditionelle
Architektur ist städtebaulich betrachtet per se gut oder schlecht. Entscheidend
ist der Kontext, entscheidend ist die Unterordnung der Architektur unter den
Städtebau. Vielen ist vor allem der Prozess wichtig, anderen das Produkt. Beides
ist wichtig. Das Gleiche gilt für die soziale wie die ökologische Frage, die
nicht gegen die Frage nach der richtigen städtebaulichen Form ausgespielt werden
darf und umgekehrt. Auch die Frontbildung zwischen denen, die eine
Qualifizierung der Peripherien anstreben, und denen, die die historischen
Kernstädte revitalisieren möchten, ist nicht hilfreich. Der CEU wendet sich
gegen jede unfruchtbare Lagerbildung, gegen die Diskriminierung von
architektonischen Stilen a priori, gegen die Isolierung von Form und Inhalt, von
Prozess und Produkt. Der CEU setzt sich für eine städtebauliche Perspektive ein,
die die gesamte Stadt-Region ins Visier nimmt.
4. Brücke zwischen Institutionen und Netzwerken des Städtebaus
Der Council for European Urbanism (CEU) ist nicht der Meinung, dass die oben
angesprochenen Aufgaben ausschließlich in seine Kompetenz fallen und nicht auch
von anderen Netzwerken und Institutionen engagiert angepackt werden. Nur durch
eine Verstärkung der Zusammenarbeit von allen Netzwerken und Institutionen,
denen die Zukunft der europäischen Stadtregionen am Herzen liegt, können Erfolge
erzielt werden. Der Council for European Urbanism (CEU) strebt daher eine
Zusammenarbeit mit Netzwerken und Institutionen an, die sich explizit oder
implizit um einen qualifizierten Städtebau kümmern, insbesondere mit den
Fachverbänden in den Bereichen Architektur, Landschaftsplanung, Stadt- und
Regionalplanung und Städtebau, mit staatlichen Institutionen auf
unterschiedlichen Ebenen, mit wissenschaftlichen Institutionen und Netzwerken,
mit Verbänden und Einrichtungen der Immobilienwirtschaft und mit
zivilgesellschaftlichen Initiativen. Bei dieser Zusammenarbeit sollte das
Verbindende im Vordergrund stehen, während über das Trennende konstruktiv
diskutiert werden muss.
5. Brücke zwischen Europa und den USA
Das Verhältnis zwischen Europa und den USA ist zur Zeit belastet. Vieles, was
aus den USA kommt, wird mit Misstrauen betrachtet. Das gilt auch für den
Städtebau. Dafür gibt es durchaus Gründe: Verfall der Großstadtzentren, soziale
Segregation und hemmungslose Zersiedelung waren Kennzeichen der
US-amerikanischen Stadtregionen. In den USA hat sich aber auch eine
städtebauliche Reformbewegung herausgebildet, die sich gegen Verfall und
Zersiedelung richtet. Ihre Aktivitäten haben bereits einiges bewirkt. Im Kontext
dieser breiten Reformbewegung hat sich der Congress for the New Urbanism weit
über die Fachwelt hinaus einen Namen gemacht. Der CEU begreift sich als Partner
des Congress for the New Urbanism (CNU) und anderer Städtebau-Bewegungen, sei es
in Australien, in Neuseeland oder des Movement for the Israeli Urbanism (MIU).
Angebot:
Das Brückenbauen kann und muss sich in der praktischen Arbeit bewähren. Die
Stadtregion von New Orleans wurde von einer Naturkatastrophe getroffen und
weitgehend zerstört – eine menschliche Tragödie größten Ausmaßes. Wir erklären
unsere Solidarität mit New Orleans und ihren Bewohnern. Der Wiederaufbau wird
eine große Herausforderung für alle werden.
• Wir schlagen vor, eine transatlantische Brücke aus Fachleuten der USA und
Europas zu bilden, um nach Perspektiven für eine Rekonstruktion der Stadtregion
von New Orleans zu suchen.
• Wir schlagen vor, in absehbarer Zeit eine gemeinsame interdisziplinäre
Urbanistische Konferenz – zusammen mit dem CNU und anderen Organisationen -
durchzuführen, um Kräfte zu bündeln und Strategien zu erörtern.
• Mitglieder des CEU bieten eine Unterstützung an in den Bereichen der
regionalen und sozialen Planung, des Wasser-Managements und des Wohnungsbaus in
hochwassergefährdeten Gebieten.
Auszeichnung für Leistungen im europäischen Städtebau
Während des Kongresses vergab der Council for European Urbanism seine erste
Auszeichnung – die CEU-Auszeichnung für Leistungen im europäischen Städtebau
2005 – an Dr. Hans Stimmann, Senatsbaudirektor von Berlin.
Council for European Urbanism Germany
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